Gold statt Braun – Die Erfurter Kultur glänzt

Gold statt braun – Das ist das Motto der außergewöhnlichen Aktion, die am 8. und am 9. Mai in Erfurt für die Vielfalt der Kultur ein Zeichen setzten soll. Über 50 Kulturakteure schließen sich dem Aufruf der bundesweiten Initiative „Die Vielen“, dem Kunsthaus Erfurt und der Ständigen Kulturvertretung Erfurt (SKV), um für ein vielfältiges, freiheitliches Kunst- und Kulturverständnis einzutreten.

Mit goldenen Symbolen an Theatern, Kulturstätten, Vereinsräumen und mehr setzen alle teilnehmenden Kulturakteure ein auffälliges, sichtbares Zeichen. Durch die Irritation im öffentlichen Raum sollen die Erfurter Bürger*innen auf den 75. Jahrestag der Befreiung und die „Glänzenden Aktionstage“ aufmerksam gemacht werden.

Ob goldene Banner am Kulturcafé Franz Mehlhose in der Löberstraße, ob ein vergoldeter Vorgarten der Galerie „artue“ am Leipziger Platz oder eine goldene Außenfassade des „NaturErlebnisGartens Fuchsfarm“ im Steigerwald, ob goldene Flaggen am Kunsthaus in der Michaelisstraße oder ein goldener Balkon am Kulturquartier und Banner an den Fenstern des Tanzstudio des Tanztheater Erfurt in der südlichen Innenstadt – die Erfurter*innen werden an dem glänzenden Gold der Rettungsdecken nicht vorbeischauen können.

Dabei steht das „Goldene Band“ steht für ein vielfältiges, freiheitliches Kunst- und Kulturverständnis. Es steht für die Unabhängigkeit der Kultur von staatlichem und ideologischem Einfluss. Es steht vor allem auch für eine gemeinschaftliche und solidarisierende Antwort aus der Kunst- und Kulturlandschaft auf die spaltenden und feindseligen Versuche rechter Gruppierungen und Parteien, Menschen auszugrenzen und Kultur zu beschneiden.

Mit dem Erfurter Slogan „Gold statt Braun“ holen die SKV und das Kunsthaus Erfurt die bundesweiten „Glänzenden Aktionstage“ der Initiative „Die Vielen“ nach Thüringen und in die Landeshauptstadt, um die Debatte über die Fortentwicklung der Demokratie in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Dem 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus und die Beendigung des Zweiten Weltkrieges soll so gedacht werden. Am folgenden 9. Mai, dem Europatag, wird dann ein offenes Europa der Vielen proklamiert.

Es ist an der Zeit eine vielfältige und deutlich wahrnehmbare Erinnerungskultur zu schaffen und am 8. Mai und 9. Mai gemeinsam die Befreiung, die Kunstfreiheit und die kulturelle Vielfalt zu feiern. Bietet doch dieser Tag die Gelegenheit, „über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken“, wie KZ-Überlebende Esther Bejarano schreibt: „Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.“

Dem Aufruf der Vielen Erfurt, dem Kunsthaus Erfurt und SKV haben sich bisher folgende Initiativen, Einrichtungen und Einzelpersonen angeschlossen. Neben der freien Kulturszene nehmen auch die städtischen Kultur- und Erinnerungsorte an der Aktion teil:

Alte Synagoge Erfurt, Angermuseum Erfurt, artue – Galerie, Atelierhaus Vogelsgarten, Bandhaus Erfurt, Begegnungsstätte Kleine Synagoge, Café Hilgenfeld, Erfurter Herbstlese, Erfurter Zeichenrunde, Erinnerungsort Topf & Söhne, Franz Mehlhose, NaturErlebnisGarten Fuchsfarm, Galerie Hammerschmidt + Gladigau, Galerie Waidspeicher, Grafik- & Designkollektiv, Graphit Festival, Gruppe Versus, Hant – Magazin für Fotografie, Kalif Storch, Kickerkeller, Klanggerüst, Kleine Rampe, Kreativtankstelle, Kulinarisches Kollektiv, Kultur: Haus Dacheröden, KulturQuartier Erfurt, Kulturzentrum Engelsburg, Kunsthalle Erfurt, Kurhaus Simone, [L50], LAG Soziokultur Thüringen, Lagune, Landesjugendwerk der AWO Thüringen, Madame Pfleger´s Seifenlädchen, Mad Jenkins, My Music Academy, Erfurter Nordbahnhof – Frau Korte, Offenes Jugendbüro RedRoXX, Retronom, Saline 34, Spirit of Football, Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“, t.akt Magazin, Tanztheater Erfurt, Tapetenwechsel Erfurt, Ungleich Magazin, Wasserburg Kapellendorf, Wächterhaus 2, Wächterhaus 3, Zughafen Kulturbahnhof, Claude, Josephine Bauer, Erni Donnerberg, Nora Klein, René Kolditz, Stefan Kowalczyk, Minetta, Monopurple, Doreén Reifenberger, Katrin Sengewald, Doktor Molrok, Gudrun Wiesmann

Im Rahmen des Tages der Befreiung und dem Europatag beteiligt sich die Erfurter Kulturszene an den „Glänzenden Aktionstagen“, die von der Initiative „Die Vielen“ ins Leben gerufen wurde. Die deutschlandweite Initiative „Die Vielen“ unterstützen den Offenen Brief von Esther Bejarano, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, Mitglied und Ehrenvorsitzende der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“(VVN-BDA) und des Internationalen Auschwitz-Komitees, mit der Forderung, den 8. Mai als Feiertag zu begehen. An der bundesweiten Initiative „Die Vielen“ beteiligen sich inzwischen mehr als 3.000 Kunst- und Kultureinrichtungen, Kulturinitiativen sowie zahlreiche Künstler*innen, Freie Akteur*innen der Kunst aus allen Genres. Darüber hinaus stehen „Die Vielen“ für das unveräußerliche Recht der Kunstfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft, für die stärkere Verankerung der Kulturorte (Theater, Opernhäuser, Museen, Musikclubs, Bibliotheken, Galerien, Kulturhäuser, freien Spielstätten, Bildungseinrichtungen uvm.) in der Zivilgesellschaft und für ein sich kontinuierlich festigendes, solidarisches Netzwerk untereinander.

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