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Das wünscht sich die freie Szene Erfurts für den Theatertransformationsprozess

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Der vom Erfurter Stadtrat beauftragte und vom Kulturdezernenten Tobias Knoblich initiierte Theatertransformationsprozess (TTP) läuft bereits seit September 2022. Es gab bisher zwei öffentliche Werkstattgespräche sowie viele Einzelgespräche. Auch die SKV traf sich mit dem Beratungsteam des TTP. Dort brachten wir ein Positionspapier in den politische Prozess ein, der die Bedarfe und zukunftsweisende Impulse der Erfurter Kulturlandschaft und deren Akteur:innen festhält.

In der Zwischenzeit fanden zwei Workshops zum TTP mit öffentlicher Beteiligung statt. Dabei ist uns aufgefallen, dass sich viele Kulturakteur:innen nicht vom TTP angesprochen fühlen. Das möchten wir ändern und wollen ganz im Sinne unseres Selbstverständnisses als Übersetzer:in und Verstärker einerseits die Szene über die Inhalte informieren und andererseits eure Bedarfe und Ideen abfragen beziehungsweise diskutieren und in den Prozess hineintragen. Wir laden daher besonders die Akteur:innen der freien Szenen ein, die bisher noch nicht am TTP teilgenommen haben oder sich vom Prozess angesprochen fühlen.

Was wünscht sich die freie (sozio-)kulturelle Szene für die Zukunft der Erfurter Theaterlandschaft? Welche Formate und städtischen Themenschwerpunkte kann das Theater Erfurt anbieten und setzen, um damit unterschiedliche Publikumsgruppen zu erreichen? Wie können Räume und Ressourcen noch genutzt werden? Alle diese Fragen klärten wir beim dritten Kulturstammtisch des Jahres am 9. März in den Kickerkeller. In drei Arbeitsgruppen und der darauffolgenden Diskussion näherten sich die Teilnehmer:innen den Fragen an. Wir haben die Ergebnisse zu Papier gebracht, um sie in den TTP einzubringen.

Thema der 1. AG: Theater und Stadtgesellschaft – „Theater lebt in und mit der Stadtgesellschaft. Was heißt das?“

Die Akteur:innen wünschen sich mehr Willkommensgefühl. Das Theater soll ein Ort zum Verweilen sein. Dabei hilfreich: ein offenes Foyer, mehr Erfurter Kulturszene und Kooperation im Theater, ein kulturfreundlicher Verwaltungsapparat sowie erleichterte Einmietungen.

Wünsche für Veranstaltungen im Theater: Die Preise für Getränke, etc. im Theater sollten gesenkt werden. Kein “Rauskehren” mehr nach den Veranstaltungen. Mehr Crossover Theater-Veranstaltungen mit lokalen Akteur:innen und den Mitarbeitenden des Theaters. Gut wären Regelmäßige Ausstellungen im Foyer – Vernissagen und Ausstellungen könnten im Theater etabliert werden. Zudem könnte die Philharmonie in die Stadt wirken und an ungewöhnlichen Orten spielen, ebenso wie das Ensemble. Stichwort: „Theater nicht nur im Theater“. Mit kurzen Theaterstücken beim Campusfest oder anderen Veranstaltungen kann die Hemmschwellen gesenkt werden, weil die Erfurter an anderen Orten ihr Theater kennenlernen.

Warum keine Theatrale reloaded, bei der alle Erfurter Theater ein Festival feiern? Wünschenswert wäre zudem ein Musikfestival im Theater, bei dem Bands und DJ sowie das Orchester im Theater auftreten. Eine andere Zielgruppe könnte so in das Haus gezogen werden und die Hemmschwelle, ins Theater zu gehen, könnt sinken. Auch möglich: Filmmusik, Aftershow mit DJ’s, Vernetzungsfest der (Sozio)Kultur im Theater.

 Thema der 2. AG: Kooperation und Inhalt – „Produktions- und Genrevielfalt bedingen Attraktivität und breite Akzeptanz.“

  • Kulturagent:innentreffen und Kindertag im Theater Erfurt sind super → holt Kinder ins Theater
  • bisher fehlt die Präsenz des Theaters Erfurt (Theaterpädagogik, Künstler:innen etc.) in vielen Stadtteilen ( Südosten und Norden sind von der kulturellen Versorgung abgeschnitten) → Erreichbarkeit eines kulturellen Angebotes
  • Es wurde das Probleme von Vereinen beschrieben, dass kulturelle Bildungsangebote häufig durch Drittmittel realisiert werden (schlechte Mittellage bei der Kommune Erfurt) → es besteht der Wunsch, mit dem Theater Erfurt zu kooperieren z.B. Stück Einladungen von Vereinen # Gibt den Kindern eine Bühne
  • gesellschaftliche Themen der Stadt sollen ein Auftrag des Theaters werden z.B. als Stückauftrag/ Auftragsarbeit, Umfrage, Bürgerinnenrat als Korrektiv und Verbindung in die Stadtgesellschaft
  • Theater muss beweglich sein! 
  • Theatergebäude tragen in der Regel eine architektonische (soziale) Unbeweglichkeit in sich #Starrheit der Institutionen
  • fehlende Ansprachen und Sprache (Leichte Sprache, Fremdsprachen, Fachsprache etc.)  wurden als Barrieren beschrieben → Wunsch nach Untertiteln, leichte Sprache, Videomapping etc.)
  • Spartendenken überwinden? Ja und Nein: Jede Kunstform (Musik, Oper, Schauspiel, Tanz, Puppenspiel etc.) baut auf einem in der Regel ausgebildeten Handwerk auf und formt dadurch auch die Qualität der Arbeit
  • interdisziplinäre Projekte dürfen nicht nur “Worthülsen” bleiben, die eine schnelle Lösung eines modernen Kunstverständnisses anbieten, sondern benötigen gute Konzepte
  • wichtig dabei ist: interdisziplinäre Projekte leben von der Verschränkung der Fähigkeiten verschiedener Künstler:innen und Kunstformen, die Suche nach dieser Verschränkung kann nicht einzig Top-Down von der Leitungsebene aufgetragen werden, sondern es benötigt innerhalb des Theaters Räume des Kennenlernens zwischen den Mitarbeiter:innen und Künstler:innen.
  • wer spartenübergreifende Kooperationen will, sollte sie aus der Belegschaft heraus selbst erfinden lassen, das erfordert Mut und Vertrauen in die einzigartigen Potenziale, die man als Künstler:innen am eigenen Haus hat
  • Öffnung des Theaters muss auch intern gedacht werden: Begegnungsräume für Theatermitarbeiter:innen schaffen, damit auch innen gelebt wird, was nach außen hin als Öffnung des Theaters gewünscht wird. 
  • Begegnungsräume /Austauschmöglichkeiten sind z.B. Kantinen, offene Räume Vorraum des Theaters etc. 
  • Eine mobile Produktion pro Spielzeit sollte als Auftrag ans Theater formuliert werden. Mobile Bühne als Spielstätte denken – Barriere würden dadurch abgebaut: Fahrten, Eintrittsgelder, Dresscode

Thema 3. AG: Räume und Infrastruktur – „Gemeinsame Infrastrukturen schaffen Synergien und Möglichkeiten.“

  • Verhältnismäßigkeit der finanziellen Mittel für freie und subkulture Theatergruppen gegenüber den Theater Erfurt hinterfragen
  • → Es gibt so gut wie keine Proberäume für Gruppen ohne festen Standort, bzw. kein Geld, um die Probeorte zu finanzieren.
  • Bedarf an Vernetzungplattform von Kultur im allgemeinen und von Theatermacher:innen im Speziellen (Ressourcen und Raumteilung)
  • Aktuelle Thematik Waidspeicher ist eines der dringendsten Raum Thema am Tisch -> Reintegration gefährdet die Zukunftsperspektive / Existenz in der jetzigen Form des Theaters.
  • Theatervorplatz bietet sehr großes Potenzial für Open-Air-Angebote
  • Es gibt aktuelle für Theatermacher:innen keine alternativen Bühne
  • Produktions- und Bühnenorten, außer den bereits komplett ausgelasteten und vorhandenen.
  • Ertüchtigung von Leerstand für die Ermöglichung von Produktionsräumen von Kultur und Theater.
  • Welche räumliche Erweiterung sind im Theater denkbar (Foyer, Anbau, Temporär z. b. in den Theaterferien?)
  • Forderung nach mobilen Lösungen für Aufführungen und Veranstaltungen, die in das gesamte Stadtgebiet reichen (Anhänger, LKW, etc.) und von anderen Theatermacher:innen und Kulturakteur:innen genutzt werden können. 
  • Im Rahmen von Domstufen-Festspielen, als Bühnenelement entwickeln und bauen samt anschließender Ertüchtigung für die weitere mobile Nutzung.

Offene Diskussionsrunde:

Es sollte ein Exempel statuiert und ein Modellprojekt am Theater umgesetzt werden. Anhand von Good-Practice-Beispielen die Struktur ausdifferenzieren. 

Offene Fragen:

  • Ressourcen: Wie können Raum, Bühnenbild, Technik von allen genutzt werden?
  • Hat das Theater Proberäume oder vor Räume zu erschließen bzw. nutzbar zu machen?
  • Personen und Räume in Theater Erfurt für Szene nutzbar machen je nach Bedarf in Erfurt?
  • Baut man das Theater um?
  • Auftrag an Theater von Stadt: Wie wird der nun verändert? (weg von Musiktheater, hin zu Stadt und was soll im Theater passieren)

Handlungsempfehlungen:

  • Ressourcenmobilisierung / Ressourcen nutzbar machen
  • Theaterproberäume kostenfrei (Bsp. Bandhaus) für die kleinen, wie Laientheater, Kleinkunst-Menschen
  • Auftrag ans Theater ändern (Theatersatzung)
  • Salinenstraße ertüchtigen und nutzbar machen
  • Öffnung im Sinne von freien Slots, freien Foyer
  • Andockpotentiale, Cross-over Veranstaltungen
  • Mobile Bühnenkonzepte entwickeln und erproben, zur Querschnittsnutzung in und durch die Stadtgesellschaft

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